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Chen Stil Taijiquan Banner

Die Übersetzung von Tàijí (太极) bedeutet wortwörtlich "der Firstbalken" oder "der Polarstern". Quán (拳) steht für die Faust. Daraus ergibt sich Taijiquan, was in etwa "Faustmethode des höchsten/letzten" darstellt. Es ist ein altes chinesisches Kampfsystem und gehört zur Gruppe der inneren Kampfkünste. Dies ist in etwa so zu verstehen, dass über eine bewusst geführte Körpermechanik innere Kraft aufgebaut und geführt wird.

Entstehung

Der Ursprungsort des Chen Taijiquan ist Chenjiagou, was soviel wie das Tal der Chens bedeutet, und liegt in der Henan Provinz, im Norden von China. Der pensionierte General Chen Wangting hat da im 17. Jahrhundert ein Boxsystem entwickelt, welches er aus verschiedenen anderen Kampfmethoden zusammensetzte, auf der Grundlage das daoistischen Lehre und der chinesischen Medizin. Dies wurde innerhalb der Familie von Generation zu Generation weitergegeben und auch weiterentwickelt. Mit der Zeit entstanden verschiedene Ausprägungen in einzelnen Familienzweigen, wie zum Beispiel der kleine oder grosse Rahmen. Weitere Informationen zur Geschichte des Chen Taijiquan findet man im Internet unter anderem auf Wikipedia oder der Chen Taiji München Webseite.

Noch ein paar Worte zu unserem Familienstil. Im Jahre 1928 reiste Chen Fake, einer der grössten Chen Taijiquan Meister seiner Zeit, nach Peking und lehrte von dort an das Taijiquan in der Hauptstadt von China. Sein Sohn Chen Zhaokui führte die Tradition in der 18. Generation weiter und verfeinerte das Taijiquan nochmals. Chen Yu in der 19. Generation und sein Sohn Chen Shiwu erhalten das Erbe und lehren ein Taijiquan mit grosser Fertigkeit nach wie vor in Peking. Nabil Rannè, der Gründer des Chen Taijiquan Netzwerkes Deutschland, ist ein direkter Schüler von Chen Yu und hat grossen Anteil an der Verbreitung in Europa.

Chen Wangting statue in chenjiagou

System

Das System des Chen Taijiquan ist in verschiedene Bereiche aufgeteilt, welche unterschiedliche Aspekte fördern. Die Basisübungen, "Stehende Säule" und die "Seidenübungen", dienen dem Erlernen und Vertiefen der Anforderungen. Der Kern oder Essenz des Systems sind die Hand- und Waffenformen bei welchen die Anforderungen und kämpferischen Aspekte in einem komplexeren Umfang trainiert werden. In den Partnerübungen werden die Umsetzung der Anforderungen, Stabilität und Integration mit einem gegenüber in direktem Kontakt weiterentwickelt.

Anforderungen

Die Anforderungen (manchmal auch Prinzipien genannt) des Chen Taijiquan definieren den Grundrahmen mit welchem sich der Übende Fertigkeit aneignet. Dies Anforderungen können körpermechanische Eigenschaften haben, wie zum Beispiel "Oberer Rücken runden", oder auch mentale, wie zum Beispiel "der Blick haftet nicht an". Auch können Anforderungen einander unterstützen.

Mit fortlaufendem Training werden diese Anforderungen so umgesetzt, dass sie automatisch berücksichtigt und ausgeführt werden. Diese Integration bedingt kontinuierlicher Einsatz und ist die Grundlage des Taiji Trainings. Alle weiteren Methoden bauen auf den Anforderungen auf, die Bewegungen richten sich nach ihnen. Dies hört sich sehr theoretisch und separiert an, es ist eher umgekehrt, durch die Umsetzung entsteht wieder ein integriertes ganzes.

Chen Xin silk reeling

Stehende Übungen (Zhanzhuang)

Bei den stehenden Übungen wird über eine längere Zeit eine Position eingenommen, es können dies Formelemente oder andere Stellungen sein. Mit der Zeit lernt man auf immer feineren Ebenen in seinen Körper hinein zu hören und Verspannungen zu korrigieren. Die Aufmerksamkeit richtet sich nach innen, die Körperstruktur wird stabiler und einheitlicher. Es kehrt Ruhe ein, die Emotionen treten in den Hintergrund und ein Gefühl der Ausgeglichenheit entsteht.

Ein weiterer Aspekt ist die Umsetzung einzelner Anforderungen. Es ist möglich fokussiert an gewissen Bereichen des Körpers zu arbeiten. Die Stellungen können auch in tieferen Ständen eingenommen werden um kräftigende Ergebnisse zu erzielen.

Chen Stil Taijiquan Stehende Säule - Zhanzhuang

Seidenübungen (Cansigong)

Die Seidenübungen sind einfache, sich wiederholende und langsam ausgeführte Abläufe. Dadurch ist fokussiertes Arbeiten an den Anforderungen möglich. Die wohl bekannteste Übung sind die kreisenden Hände, aber es können auch einzelne Elemente der Form in wiederholenden Abläufen trainiert werden.

Die theoretische Idee dahinter ist, dass der Seidenfaden nicht reissen oder verkleben soll. Es bedeutet, dass eine integrierte und mit Achtsamkeit ausgeführte Bewegungen entsteht und dabei eine optimale Körperstruktur immer beibehalten wird. Wir lernen uns nicht zu viel und nicht zu wenig zu bewegen.

Chen Stil Taijiquan Seidenübungen - Cansigong

Handformen (Taolu)

Die Handform ist eine Aneinanderreihung von unterschiedlichen Bewegungen, welche meistens langsam, zwischendurch auch explosiv, ausgeführt werden. Jeder Familienstil hat da seine eigene Ausprägung, neben der Langform entstanden im Laufe der Zeit auch verschieden Kurzformen und stilübergreifende Mischformen. In unserem Familienstil gibt es die traditionelle Langform mit 89 und eine zweite mit 72 Elementen. Die Formen sind Abläufe von komplexeren Bewegungen in welchen der kämpferische Aspekt sehr deutlich erkennbar ist.

Chen Stil Taijiquan Handformen - Taolu

Waffenformen (Wuqi)

Waffen sind sozusagen eine Verlängerung des Körpers. Es gelten die selben Anforderungen wie wenn man die Handformen trainiert. Auch hier erkennt man den kämpferischen Aspekt des Taijiquen sehr gut. Wobei die Trainings-Waffen nicht scharf sind.

Im Chen Stil gibt es folgende Waffenformen:

  • Säbel 23 Bewegungen
  • Schwert 50 Bewegungen
  • Speer 71 Bewegungen
  • Hellebarde 30 Bewegungen
  • Doppelschwert 39 Bewegungen
  • Doppelsäbel 35 Bewegungen

Es gibt noch weitere, diese gehören jedoch nicht zum Grundrepertoire.

Chen Stil Taijiquan Waffenformen - Wuqi

Schiebende Hände (Tuishou)

Die schiebenden Hände sind ein Partnertraining in welchem man im direkten Kontakt die Anforderungen, Stabilität, Gleichgewicht und Bewegungen fördert. Ein gegenseitiges fördern und aufzeigen der Schwächen steht dabei im Vordergrund und nicht das Siegen. Es ist eine sehr gute Übung um sich ein Bild seines aktuellen Fortschrittes zu machen, da nichts kaschiert werden kann

Es gibt fünf Standard- Routinen in welchen man das Aufnehmen, Umleiten und Abgeben zu Zweit trainieren kann. Zusätzlich kann ein freies Push Hands gemacht werden in welchem man ohne Vorgaben trainiert.

Push Hands

Anwendungen (Fangshengshu)

In der Form ist jede Bewegung eine Anwendung. Somit gibt es unzählige Anwendungen im Taijiquan. Mit fortschreitendem Training werden die Anwendungen der Formelemente klarer und es wird offensichtlich warum eine gute Körperstruktur so wichtig ist, dass die Anwendungen auch funktionieren.