Chen Stil Taijiquan Banner

Die Übersetzung von Tàijí (太极) bedeutet wortwörtlich "der Firstbalken" oder "der Polarstern". Quán (拳) steht für die Faust. Daraus ergibt sich Taijiquan, was in etwa "Faustmethode des höchsten/letzten" bedeutet. Es ist eine alte chinesische Kampfkunst und gehört zur Gruppe der inneren Kampfkünste, welche unter anderem die Gesundheit und Achtsamkeit der Übenden fördert.

Chen Wangting hat im 17. Jahrhundert das Chen Taijiquan System entwickelt, welches er aus verschiedenen anderen Kampfkünsten zusammensetzte auf der Grundlage das daoistischen Lehre. Weitere Informationen findet man im Internet unter anderem auf Wikipedia. Der Ursprungsort ist Chenjiagou in der Henan Provinz, im Norden von China. Von dort aus bereisen Vertreter der Chen Familie die ganze Welt um das authentische Chen Taijiquan zu verbreiten.

System

Das System des Chen Taijiquan ist in 6 Bereiche aufgeteilt, welche auf sich aufbauen. Jeder Bereich fördert verschiedene Aspekte, alle basieren jedoch auf dem grundlegenden Prinzip des Taiji. Die ersten drei Bereiche "stehende Säule", "Seidenübungen" und "Formen" sollte man am Anfang ausschliesslich praktizieren, bis man ein gewisses Level erreicht hat. Es ist ein gewisses Grundverständnis vonnöten um "Waffen", "Schiebende Hände" und "Anwendungen" richtig zu trainieren. Wichtig ist, dass man regelmässig bei einem ausgebildeten und fachkundigen Lehrer Korrekturen abholt, damit man seinen Trainingsvortschritt immer wieder überprüfen und anpassen kann.

Stehende Säule (Zhanzhuang)

Bei der stehenden Säule steht man am selben Ort in aufrechter Haltung. Scheitelpunkt, Ohren, Schultern, Hüfte und die Knöchel bilden eine Linie. Die Knie sind leicht gebeugt. Mit der Zeit kann man auf immer feineren Ebenen in seinen Körper hineinhören und Verspannungen korrigieren, man richtet sich energetisch aus. Die Körperstruktur wird stabiler und man entspannt sich gleichzeitig. Dabei kehrt Ruhe ein, die Emotionen treten in den Hintergrund und man fühlt sich geerdet.

Je nach Befinden, kann der Stand auch tief sein. Wichtig ist immer, dass man nur soviel macht wie man auch aushält, sonst werden Verspannungen gefördert anstatt gelöst.

Chen Stil Taijiquan Stehende Säule - Zhanzhuang

Seidenübungen (Cansigong)

Die Seidenübungen sind einfache, sich wiederholende langsam ausgeführte Abläufe. Die Energie, welche in der stehenden Säule kultiviert wurde, wird in den Bewegungen der Seidenübungen durch den Körper geführt. Dabei soll der Seidenfaden nicht reissen. Das bedeutet, dass man mit Achtsamkeit die Bewegungen ausführt und dabei die Körperstruktur beibehält. Wir lernen uns nicht zu viel und nicht zu wenig zu bewegen.

Jede Bewegung hat seinen Ursprung im sogenannten Dantian. Das Dantian ist das energetische Zentrum des Körpers und befindet sich zwei bis drei Finger breit unter dem Bauchnabel. Schnell realisiert der Praktizierende, dass hier eine wichtige Grundlage für die weiteren Bereiche wie den Handformen geschaffen wird.

Chen Stil Taijiquan Seidenübungen - Cansigong

Handformen (Taolu)

Die verschiedenen Handformen sind eine Aneinanderreihung von langsamen Bewegungen, welche durch explosive Bewegungen oder Sprünge unterbrochen werden können. Die älteste und wichtigste Form ist dabei die Laojia Yilu, auch alter Rahmen genannt. Von ihr stammen alle anderen ab. Es gibt eine zweite Form, die Laojia Erlu, welche sich mehr den explosiven Bewegungen widmet. Im Laufe der Zeit entstanden verschieden Kurzformen und längere komplexere Formen.

In der Form werden die Prinzipien der stehenden Säule und der Seidenübungen in komplexeren Abläufen trainiert. Nun sieht man sehr gut, warum Taijiquan eine Kampfkunst ist. In den Bewegungen erkennt man sofort das kämpferische Element.

Chen Stil Taijiquan Handformen - Taolu

Waffenformen (Wuqi)

Waffen sind sozusagen eine Verlängerung des Körpers. Es gelten die selben Prinzipien wie wenn man die Handformen trainiert. Auch hier erkennt man den kriegerischen Aspekt des Taijiquen sehr gut. Wobei die Trainings-Waffen nicht scharf sind.

Im Chen Stil gibt es folgende Waffenformen:

  • Säbel 23 Bewegungen
  • Schwert 50 Bewegungen
  • Speer 71 Bewegungen
  • Hellebarde 30 Bewegungen
  • Doppelschwert 39 Bewegungen
  • Doppelsäbel 35 Bewegungen

Es gibt noch weitere, diese gehören jedoch nicht zum Grundrepertoire.

Chen Stil Taijiquan Waffenformen - Wuqi

Schiebende Hände (Tuishou)

Die schiebenden Hände sind ein Partnertraining in welchem man, vereinfacht gesagt, versucht den anderen aus dem Gleichgewicht zu bringen. Natürlich auch hier nach den Prinzipien des Taijiquan. Es ist eine sehr gute Übung um sich ein Bild seines aktuellen Levels zu machen.

Es gibt fünf Routinen in welchen man das Aufnehmen, Umleiten und Abgeben zu Zweit trainieren kann.

Anwendungen (Fangshengshu)

In der Form ist jede Bewegung eine Anwendung. Somit gibt es unzählige Anwendungen im Taijiquan. Mit fortschreittendem Training werden die Anwendungen der Formelemente klarer und es entsteht das Verständnis warum eine gute Körperstrukturtruktur so wichtig ist, dass die Anwendungen auch funktionieren.