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Taiji was für mich

Immer wieder bekomme ich Anfragen von Interessierten, welche unsicher sind ob Taiji was für sie ist. Es sei schwierig sich ein Bild zu machen und klare Informationen zu erhalten. Auch steht oft der Vergleich mit Yoga im Raum. In diesem Artikel werde ich ein paar Hinweise geben, die für die Orientierung hilfreich sind.

Zuerst einmal möchte ich Taijiquan (was oft als Taiji abgekürzt wird) kurz erklären. Im Taiji wird eine sogenannte Form geübt, das sind verschiedene Bewegungen welche nacheinander ausgeführt werden. Je nach Länge der Form, kann es einige Monate dauern bis diese ganz gelernt wird. Nachher fängt man an sich mit den inneren Aspekten wie Kraftpfad oder Achtsamkeit zu beschäftigen. Im Phasen des Taijiquan Trainings Artikel habe ich den Fortschritts-Prozess im Detail erklärt, wenn du mehr dazu erfahren willst. Das Durchlaufen der Form ist der Kern des Trainings, mit ihr werden alle Prinzipien und Anforderungen praktisch umgesetzt. Diese wird immer weiter geübt und verfeinert.

Warum fängt man mit Taiji an?

Es gibt verschiedene Gründe warum Menschen mit dem Taiji Training anfangen. Es kann sein wegen den kämpferischen Aspekten oder der Suche nach Stabilität und Gleichgewicht im Leben. Vielfach ist jedoch eine Veränderung der Gesundheit die Ursache. In der heutigen Zeit wo Stress allgegenwärtig ist und Burnout's immer mehr auftreten, wird oft nach Methoden gesucht um dem entgegenzuwirken. Weil Medikamente nicht nachhaltig sind werden neue Wege eingeschlagen und da trifft man früher oder später auf Taiji.

Kernpunkte

Wie findet man nun heraus ob diese Bewegungsmethode was für einen ist? Es spielt keine Rolle wie fit jemand ist um Taiji zu trainieren, auch nicht wie man im Leben steht. Wichtig ist, dass eine grundsätzliche Bereitschaft da ist Änderungen anzunehmen und man offen für eine Weiterentwicklung ist. Folgende Punkte sind wichtige Eckpfeiler des Taiji Weges:

Ausdauer

Taiji ist nicht was, dass man an einem Wochenend-Seminar oder in einem Ferienkurs lernt. Es braucht Zeit und Ausdauer. Damit meine ich, dass man einen langen Atem benötigt. Immer wieder die gleichen Abläufe zu wiederholen ist nicht jeder/m gegeben. In der heutigen schnelllebigen Zeit ist es schwierig den Fokus zu behalten. Ablenkungen sind allgegenwärtig. Mit dem Taiji Training wirkt man dem entgegen.

Im Taiji gibt es den bekannten Satz "es gibt keine Abkürzungen". Damit ist gemeint, dass die Integration und Veränderung seine Zeit braucht und man nicht etwas schnell hinzaubern kann. Ehrlich gesagt ist dies nicht Taiji spezifisch, will man Fortschritt herbeiführen dann braucht es immer Zeit, egal was gemacht wird.

Bereitschaft mit dem Körper zu Arbeiten

Taiji ist eine Bewegungsmethodik bei welcher die Arbeit mit der Körperstruktur eine starke Gewichtung hat. Darum ist es von Vorteil, wenn es einem Spass macht sich körperlich zu fordern. Im Chen Stil schwitzt man auch mal und hat müde Beine nach dem Training. Zum Beispiel ist der Aufbau eines soliden Fundamentes sehr wichtig, und dies führt nur über starke Beinmuskulatur.

Selbstverantwortung

Eine gewisse Selbstverantwortung ist nötig, wenn man Taiji trainiert. Damit meine ich, dass man auch bereit ist mal selber zu üben. Taiji ist was, dass jede/r selber entwickelt und mit der Zeit seinen eigenen Ausdruck formt. Vom Unterrichtenden werden die Konzepte und Anforderungen vermittelt, die Umsetzung und Integration liegt beim Trainierenden selber.

Offenheit

Taiji kommt aus China und basiert auf der Idee vom Taoismus. Beides ist uns meistens fremd. Somit ist Offenheit gegenüber einer neuen Kultur und Art zu Denken gefragt. Zum Beispiel höre ich im Unterricht oft die Aussage "ich mache diese Bewegung immer falsch". In Schwarz und weiss zu denken ist in unserer westlichen Sichtweise fest verankert. Jeder interpretiert und führt die Bewegung jedoch anders aus, wichtig ist, dass die Anforderungen und Prinzipien stimmen. Somit spricht man eher von Abweichungen und kategorisiert nicht in richtig oder falsch.

Die kämpferische Seite

Ursprünglich wurde Taiji als Kampfsystem entwickelt, der positive Einfluss auf die Gesundheit wurde erst später entdeckt. Dadurch kann man Taiji nicht mit der Absicht trainieren, dass man nur die Gesundheit verbessern will. Es muss auch Platz haben für die kämpferische Seite. Sonst entnimmt man dem Taiji seine wahre Natur und kann nicht dessen volles Potenzial ausschöpfen. Es ist hier nicht die Rede von aggressiven Kampf, sondern, dass alle Aspekte wichtig sind um die ganze Tiefe dieser Kampfkunst zu entdecken.

Der Vergleich mit Yoga

Yoga hat gewisse Ähnlichkeiten mit Taiji. Es verbessert auch die Achtsamkeit und Gesundheit. Trainiert wird jedoch anders, da stehen einzelne Bewegungen im Zentrum, während im Taiji eine längere Form das Trainingsinstrument ist. Dadurch ist die Lernkurve um ins Taiji "reinzukommen" steiler als im Yoga. Auch hat Yoga keine kämpferischen Seite und der meditative Aspekt ist grösser als im Taiji.

Das Internet ist voll von Informationen über die Unterschiede zwischen diesen zwei Bewegungsmethoden, wenn du mehr zu diesem Thema erfahren willst. In der Laax School kann man sich auch gut einen Überblick verschaffen und beide Systeme miteinander vergleichen, da werden Yoga und Taiji unterrichtet.

Taiji und Yoga Stellung